Zweimal im Jahr fliegt Nicole Babitsch für 3 Wochen nach Barbados. Dort lebte sie von 1994 bis 2006 und arbeitete als Kinderphysiotherapeutin mit hunderten von Kindern. Auch 6 Jahre später fühlt sie sich auf Barbados ebenso zuhause wie in Deutschland. Wo auch immer sie sich dort aufhält, im Laden, am Strand oder an der Tankstelle, wird sie von Eltern und Verwandten ehemaliger kleiner Patienten erkannt und freudig begrüßt. Auch ihre damaligen Kolleginnen im Kinderzentrum freuen sich über regelmäßige Besuche und geben im Vorfeld 'Bestellungen' von Therapiematerial auf, das es auf der Insel nicht gibt. Der Kontakt ist weiterhin sehr gut und alle von Nicole gestarteten Projekte werden weitergeführt und  sind sogar, dank beeindruckendem Einsatz, gewachsen. Dazu gehören z.B. die Versorgung aller behinderter Kinder mit Hilfsmitteln wie Rollstühlen und Stehgeräten, die jährliche OP-Woche mit einem Neurochirurgen aus USA und die freie Ausgabe von Windeln für ältere, schwerstbetroffene Kinder. Diese Nachhaltigkeit spiegelt sich heutzutage im allgemeinen Umgang der Bevölkerung mit behinderten Kindern. 1994 lagen viele Kinder, die nicht selbständig sitzen, stehen oder gehen konnten, den ganzen Tag herum und kamen selten aus den Häusern. Mythen und Hoffnungslosigkeit beherrschten das Bild.

 

         

   Treffpunkt Einkaufs-Mall mit Dondre und Laurel

Heutzutage gehören behinderte Kinder dazu und Familien wissen, an wen sie sich wenden können, was es an Hilfsmitteln gibt und dass sie Rechte haben. Zwar ist vieles noch im Argen, so gibt es z.B. weiterhin keine Sonderschule für alle behinderten Kinder und auch nicht genügend ausgebildete Fachkräfte, dennoch hat definitiv ein Umdenken stattgefunden, das Raum für weitere Veränderungen ermöglicht. Nicht zuletzt wurde diese Bewegung auch durch die lange Jahre währende Unterstützung deutscher Freunde ermöglicht, die den mittlerweile aktiv gewordenen einheimischen Kinder-Hilfsorganisationen als gutes Beispiel vorangingen.

 

Während ihrer letzten Aufenthalte auf Barbados hat Nicole wieder intensiven Kontakt zu einigen, nun schon großen, behinderten Kindern, aufgenommen. Besonders Chrissie (19 J.), der mit 3 Jahren von einem Kleintransporter erfasst wurde, ca. 5 Meter über die Straße flog und seitdem querschnittsgelähmt ist, hat sich wahnsinnig über das Wiedersehen gefreut.

Wiedersehen mit Chrissie im 'Children's Development Centre'

 

D'weighta (22J.), der Nicole damals half, mit ihrem Rollstuhl eine Regelschule besuchen zu dürfen, hat mittlerweile selbst drei!!! gesunde kleine Kinder. Ihre Lebensumstände sind erschreckend und auch die Geschichten, die die aufgeweckte junge Frau erzählt. Um zu helfen, aktivierte Nicole einige alte Beziehungen zu wohlhabenden Familien woraufhin D'weighta's Freund einen Job als Gärtner bekam und neue Gasflaschen zum Kochen, Babynahrung und Windeln besorgt wurden. Außerdem wird endlich eine Stromleitung verlegt (momentan gibt es nicht einmal einen Kühlschrank!), ein neuer Rollstuhl ist bestellt, das Telefon wieder angestellt und für Verhütung einer weiteren Schwangerschaft ist gesorgt.

 

D'weighta mit Freund Jason vor dem Haus und mit Nicole, D'Arie (1J.) und Freundin 

 

Brianna, die nun 12 Jahre alt ist und ab ihrem 8. Lebensmonat zur Therapie kam, lernte mit fünf Jahren frei laufen und sie besucht nun, dank einer fortwährenden Spende, eine teure Privatschule. Brianna ist ein außergewöhnliches Mädchen, das trotz ihrer Behinderung seinen Weg geht. Dass sie in der Schule akzeptiert wird und frei über ihre körperlichen Schwierigkeiten reden kann, wäre auf Barbados vor einigen Jahren noch unmöglich gewesen. Natürlich ist gerade ein 'Vorzeigekind' wie Brianna ein wichtiges 'Instrument' für diese Entwicklung.

 

Mit Brianna 2003 (3 J.) bei der Hydro-Therapie & heute (12J.)... auf ewig verbunden

 

Ohne es zu planen wurde Nicole in ihrem Urlaub schnell wieder zur 'Stimme' einiger ihrer behinderten und bedürftigen jungen Freunde. Mittlerweile hat sie das Gefühl, dass es eine Bestimmung ist, zwischen denen, die wenig haben und denen, die viel haben aber nicht wissen, wem sie damit helfen können, zu vermitteln. Nicole: "Es ist das schönste Geschenk, 'meine' Kinder glücklich zu erleben und zu wissen, dass mit ein bisschen Mühe und einem offenen Blick eine große Veränderung im Leben eines anderen Menschen angebahnt werden kann..."